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# Wir nennen es Understatement und überlassen anderen den Erfolg
- URL: https://layers-mag.de/wir-unterbieten-uns-stilistisch-gegenseitig-nennen-das-understatement-und-uberlassen-den-erfolg-den-frauen-die-das-spiel-verstanden-haben/
- Published: 2026-03-18T20:11:00.000Z
- Updated: 2026-11-04T20:44:46.000Z
- Description: Wie sehr beeinflusst unser äußeres Erscheinungsbild unsere Karrierechancen? Warum Understatement Frauen im Business ausbremsen kann, welche Rolle Styling und Ausstrahlung spielen und weshalb es sich lohnt, sichtbarer zu werden.
- Author: Anja Kühn
- Tags: Perspektiven

Ich möchte dir mal eine provokante Frage stellen: Gehörst du zu den Frauen, denen der Erfolg zufliegt, die leicht Angebote für höhere Positionen, mehr Gehalt und größere Chancen bekommen? Bist du diejenige, die es mühelos schaﬀt mit den richtigen Leuten in Verbindung zu kommen? Ja? Dann gehörst du mit einer großen Wahrscheinlichkeit zu den Frauen, die ein “pretty privilege” haben. Frauen, die entweder eine besondere Ausstrahlung haben, von Natur aus besonders schön sind oder es stilistisch “einfach drauf” haben.

Diese wenigen Schönen sind oft überzeugt, dass der Erfolg nichts mit Optik zu tun hat. 

> Durch Hirnstudien bewiesen ist aber, dass Frauen, die “gut aussehen” im Kopf bleiben und alle anderen einfach in der Masse verschwinden. 

Die restlichen 70-80% müssen dagegen sehr viel mehr Energie investieren, um gesehen und gehört zu werden. Sie brauchen bessere Vorträge, klarere Angebote, mehr Nachkontakte und ein deutlich mehr Willenskraft, um ans Ziel zu kommen. Vor allem weil die meisten immer noch glauben, dass die wahrgenommene (nicht die tatsächliche!) Kompetenz nichts mit ihrer optischen Präsenz zu tun hat.

Ganz selbstverständlich arbeitest du monatelang am Internetauftritt, Schriftarten, Layout, Text, Angeboten oder auch an Vorträgen, Inhalten und Präsentationen. Alles wichtig. Aber du vergisst, dass die Bildsprache unterbewusst schon VOR dem Pitch entscheidet ob und wie lange man gewillt ist, dir zuzuhören. Niemand würde diese Wahrheit öﬀentlich zugeben (Gott bewahre!), aber beobachte dich mal selbst: Welche Menschen erscheinen dir “wichtig und hilfreich”? Die, die aussehen als ob sie ihr Unternehmen von der Couch aus führen oder die, die oﬀensichtlich Grund haben sich täglich besser zurecht zu machen? Na?

Aber warum schreibe ich darüber? Ich schreibe, weil ich in meiner Arbeit ständig mit den Glaubenssätzen von Frauen konfrontiert bin. *“Ich bin nicht wichtig genug”*, *“Ich geh doch nur ins Büro!”*, *“Was sollen denn die anderen sagen?”*

Ich könnte die Liste lange fortsetzen. Der Kern ist: Wir Frauen haben ein Problem, über das wir oﬀen reden sollten: 

> Wenn du im Business nicht gesehen wirst, liegt das oft nicht daran, dass du zu wenig kannst, sondern daran, dass du nicht gesehen wirst. Physisch.

Du trägst schwarz, grau, blau, beige, verschwimmst mit der Wand und dir “genügt” ein bisschen Mascara. Was soll mir daran im Kopf bleiben? Versteh mich nicht falsch: Ich sage nicht, dass du aussehen musst wie ein Papagei, damit du Erfolg hast. Aber wenn du ehrlich bist, dann schaust du dir im Zoo auch nicht die Spatzen an.

Die Zurückhaltung verstehe ich sehr gut, denn sie ist historisch über Jahrtausende gewachsenen und weiblich codiert: Wir Frauen haben schon in der Steinzeit gelernt, dass es wichtig ist in der Gruppe zu funktionieren. Wer ausgeschlossen wird, hat es schwer zu überleben. Deshalb wollen wir heute noch gefallen, nicht zu viel sein, nicht zu laut und schon gar nicht arrogant.

Aber ich sage es klar und deutlich, auch wenn es jetzt mal kurz weh tut: 

> Vor allem im Business ist Understatement zwar für alle angenehm, aber es hilft dir nicht. 

Und den anderen auch nicht. Denn was passiert, wenn sich alle kleiner machen, damit sich die andere größer fühlt? Nichts. Es gibt keinen Grund zu wachsen. Wir schneiden uns am liebsten selbst aus dem Bild und ärgern uns dann, dass die Chancen woanders hin verteilt werden.

![](https://layers-mag.de/content/images/2026/11/Anja-Kuehn-LAYERS-mag-Styling-Business.jpeg)

Wir Frauen sollten stattdessen lieber alles dafür tun, um in die Sichtbarkeit zu kommen. Wir sollten das tun, was wir am besten können: Netzwerken, zuhören, supporten und dabei das Beste aus uns heraus holen was geht - weil wir nur so wirklich leuchten können, andere anstecken und mitnehmen können auf dem Weg nach oben.

Und falls du glaubst, dass das Mut erfordert sich in voller Strahlkraft zu zeigen: Ja, das stimmt. Für eine Sekunde. 

> Und dann stellst du fest, dass angeschaut zu werden keine Abwertung, sondern Bewunderung ist. 

Dass Styling nicht laut sein muss, um eﬀektiv zu wirken. Dass du auch mit geilem Style DU sein kannst, weil es eben deins ist und keine Verkleidung. Und dass es leicht sein kann mit Menschen in Verbindung zu kommen, weil dein Auftritt schon alles sagt ohne dass du den Mund aufgemacht hast.

Und wenn du es dennoch nicht fühlst: auch nicht schlimm. Dann gewinnen halt andere das Game, die Position, die Gehaltserhöhung, den Auftrag. Nicht weil sie besser sind. Sondern klar.