Ein Beitrag über Denkmuster, die uns nicht mehr dienlich sind.
Das Leben könnte so schön sein, wenn da nicht diese verfluchten Glaubenssätze wären! Manchmal habe ich das Gefühl, dass vor allem wir Frauen im ehemaligen Osten wenig hilfreiche Sätze mit auf den Weg bekommen haben:
Make-up/Styling ist oberflächlich. Schöne Frauen sind dumm. Du bist doch hübsch, du brauchst doch gar kein Make-up! Wer sich aufdonnert, hat ein zu großes Geltungsbedürfnis. Make-up macht die Haut kaputt.
Na? Wie oft hast du gerade genickt? Hierzulande sind fast alle Frauen über 30 damit aufgewachsen, dass Leistung zählt, nicht Aussehen.
Innere Werte sind wichtig, äußere dagegen verschwendete Lebenszeit.
Ein ganzes Themengebiet wurde einfach aus unserer Jugend gestrichen, belächelt und für komplett unnütz, also überflüssig, erklärt.
Aber was hat es mit uns gemacht? Wir können sehr stolz darauf sein, dass wir Menschen nicht nach Optik bewerten. (Das denken wir zumindest.) Aber es hat auch dazu geführt, dass wir völlig verunsichert sind, ob wir es uns wirklich erlauben können, durch Styling aufzufallen.
Der pinke Lippenstift – ist der nicht zu mutig? Kontraste im Lidschatten – vielleicht zu flirty? Die Haare offen und wellig – hui, das ist schon sehr festlich!
Die Angst, angeschaut und gewertet zu werden, ist allgegenwärtig. Dabei wird Wertung immer zuerst negativ gesehen. Die Möglichkeit, dass die Wertung gut ausfällt, existiert bei den meisten gar nicht.
Erst gestern im Probetermin: Die Braut fand sich unfassbar schön, strahlte ihr Spiegelbild an und fragte im gleichen Atemzug, ob wir das jetzt wieder abschminken können, weil sie mit der Bahn nach Hause fährt.
Aber was würde denn passieren, wenn wir als Sonnenschein an einem grauen Tag wahrgenommen werden? Wie schlimm kann es sein, wenn uns jemand anlächelt, einfach weil wir selbst strahlen?
Eine Kundin schrieb mir gestern: “Anja, ich hab mich gestern das erste Mal selbst geschminkt nach unserem Training und habe mich richtig beobachtet gefühlt. Menschen haben mich direkt angeschaut. Manche neutral, manche haben gelächelt.
Und trotzdem war mein erster Gedanke: Ist mein Mascara verlaufen? Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass mit mir nichts falsch ist, sondern, dass ich gerade gerne angeschaut werde.
Das fiel mir erst ein, als ich im Büro war und mir meine Kolleginnen sagten, dass ich heute richtig schön frisch aussehe”.
Wenn du auch zu den Frauen gehörst, die schöne Details im Leben lieben, für die Kunst auch Ausdruck von Fülle ist und die es leid sind, sich von alten, nicht mehr dienlichen Glaubenssätzen begrenzen zu lassen: go for it. Wir brauchen Pionierinnen, die zeigen, dass Farbe nicht zwangsläufig peinlich ist und Wertung nicht unbedingt negativ.
Drei Dinge, die wir hier und heute tun können, um den alten Kram hinter uns zu lassen:
1. Mach einer Frau ein ehrliches Kompliment! Und ich meine damit nicht: “Hey, du siehst gut aus!”, sondern konkret und begründet. Sag sowas wie: “Ich liebe deine Lippenfarbe, die sieht so frisch aus und bringt deine Augen gut zur Geltung!”. Das sorgt für mehr Mut und mehr Bewusstsein darüber, dass wir gesehen werden. Und dass es relevant ist, ob wir uns trauen.
2. Zieh dir heute mal den farbigen Pulli an, der schon seit zwei Jahren ungetragen im Schrank liegt, und trage eine Lippenfarbe auf (Nude zählt nicht). Fühl es. Was macht es mit deinen Augen? Und wie viel mehr lächelt dein Umfeld heute zurück?
3. Stell dir die Frage: Hast du dir selbst eigentlich schon mal die Chance gegeben, alles rauszuholen, was in dir steckt? Oder kennst du nur (noch) den angepassten Teil? Was glaubst du, würde passieren, wenn du den leuchtenden Teil in dir sehen könntest?
Ich habe täglich Frauen im Studio, die nie für möglich gehalten hätten, dass sie strahlen können, ohne angepinselt auszusehen. Und dass “über sich hinaus wachsen” auch bedeutet, Altes loszulassen, das einfach nicht mehr in diese Zeit gehört. Wir haben jeden Tag die Wahl, welche Wege wir gehen und welche wir endlich verlassen dürfen. Vielleicht ist genau jetzt der richtige Moment, uns selbst ein bisschen mehr zu erlauben.