Selbst & Ständig Interview
Frances Frühauf hat sich ihren Weg nicht gesucht. Sie hat ihn sich selbst erschaffen. Als studierte Innenarchitektin, die Raumgestaltung mit Energiearbeit und Feng Shui verbindet, gab es schlicht keinen Arbeitgeber, der ihre Kompetenzen vereinte. Also erschuf sich Frances selbst ihren Platz. Zunächst nebenberuflich, mit einem Bein in der Festanstellung und einem in der eigenen Idee – bis Ende 2020 die Nachfrage so groß wurde, dass Halbzeit keine Option mehr war.
Was seitdem passiert ist? Viel. Ein Kind, ein Hauskauf, eine Kernsanierung – alles auf einmal, alles parallel zur Selbstständigkeit. Frances erzählt im Interview nicht nur davon, wie Räume Menschen verändern können, sondern auch davon, was es wirklich bedeutet, ein Business aufzubauen, wenn das Leben gleichzeitig auf Hochtouren läuft.
Frances, was genau machst du beruflich und seit wann bist du selbstständig?
Ich gestalte Räume mit einem ganzheitlichen Ansatz, so dass in den Räumen eine gute Energie herrscht. Außerdem arbeite ich mit Elementen im Raum, die unserem Unterbewusstsein helfen, besser in einem Raum zur Ruhe zu kommen. Besonders bei Praxen oder Coaching Räumen ist es sehr wichtig sich im Raum geborgen zu fühlen. Das gilt natürlich genauso für das Zuhause.
Mein Weg führte von einem eher klassischen Innenarchitektur- und Architekturstudium über eine längere Zeit in Asien dann 2017 zu Feng Shui. Beim Yin Yoga hat mich schon immer die TCM total begeistert. Irgendwann dachte ich: Auch Räume haben eine Energie und es wäre quatsch, sie nicht mit einzubinden. Ich löse in Räumen energetische Blockaden, schwäche negative Qualitäten und stärke die Guten. Die ersten drei Jahre habe ich noch angestellt als Innenarchitektin gearbeitet und mich nebenberuflich Selbstständig gemacht. Das hat mir Sicherheit gegeben und würde ich auch immer wieder so machen.
Die ersten drei Jahre habe ich noch angestellt als Innenarchitektin gearbeitet und mich nebenberuflich Selbstständig gemacht. Das hat mir Sicherheit gegeben und würde ich auch immer wieder so machen.
Ende 2020 war dann die Nachfrage so groß, dass das in Teilzeit nicht mehr bewerkstelligen konnte und habe so den Sprung in die volle Selbstständigkeit gewagt.
Gab es einen Moment, in dem du wusstest, dass du deinen eigenen Weg gehen willst – und wie sah dieser Wendepunkt aus?
Die Frage ist ganz einfach zu beantworten: es gab damals schlichtweg keinen Arbeitgeber, bei dem ich in dieser Kombination hätte arbeiten können. Es gab kein Innenarchitekturbüro mit einer Ausrichtung auf Energiearbeit und somit war ziemlich schnell klar, dass ich meinen eigenen Weg gehen werde. Das Thema hat mich einfach so begeistert und ich habe gemerkt welchen Unterschied es in Räumen machen kann, dass ich nicht mehr zurück wollte. Wenn das Interesse groß genug ist, schafft man sich einfach neue Wege.
Was hat dich dazu gebracht, Innenarchitektur mit Feng Shui zu verbinden – und wie wirkt sich das in deiner täglichen Arbeit aus?
Hier gab es auf jeden Fall einen Wendepunkt, denn früher habe ich Feng Shui selbst total belächelt. Ich war schon immer stark designorientiert und hatte so ein festes, starres Bild von Feng Shui: Das ist doch was mit Drachen und roten Wände und das hat überhaupt nicht mit meinen Werten zusammengepasst. Ich muss auch sagen, dass vor fast zehn Jahren die Webseiten von den Feng Shui Beratern noch ganz anders aussahen, als sie es heute tun. Ich bin dann tatsächlich übers Yoga zum Feng Shui gekommen, denn ich habe schon während meines Studiums als Yogalehrerin gearbeitet und war total vom Yin-Yoga fasziniert.
Beim Yin-Yoga arbeitet man mit den Energieleitbahnen nach der chinesischen Medizin und ich habe deren positive Wirkung einfach selbst total gespürt und war komplett gefesselt.
Als ich dann bei einer Qi Gong Weiterbildung war, ist es mir einfach klar geworden, ich kann die Energie in einem Raum nicht bei der Raumgestaltung weiterhin ausblenden. Man kann sie genauso beeinflussen. Man kann sie lesen und darauf reagieren, wie man das eben auch bei der Akupunktur für den Körper kann.
Gibt es ein Projekt, bei dem du selbst überrascht wurdest, wie stark ein Raum das Leben der Menschen verändert hat?
Spontan fällt mir ein Projekt in Berlin ein. Hier habe ich eine Zwei-Zimmerwohnung einer alleinerziehenden Mama nach Feng Shui gestaltet. Die Wohnung war im Dachgeschoss mit einer Treppe zur Galerie nach oben und hatte einen eher schwierigen Grundriss. Meine Aufgabe war es vor allem auch einen Bereich für die Mutter zu finden, sodass sie sich zurückziehen kann und wieder in ihre Kraft kommt. Wir haben dann einen eigenen Schlafbereich im Wohnzimmer unter der Treppe integriert, welcher mit Vorhängen geschlossen werden konnte. So hatte sie einen Raum im Raum und konnte sich selbst zurückziehen und musste nicht täglich ihr Schlafsofa wieder aufräumen. Einige Jahre später hat sie mich wieder kontaktiert und hatte nun einen Partner kennengelernt, mit dem sie in ein Haus gezogen ist. Und auch da durfte ich sie wieder unterstützen. Es war toll zu sehen, wie die neue Patchworkfamilie zusammenwächst und wie die Gestaltung der Wohnung sie damals gestärkt hatte.
Wenn ein Raum „nicht nach Zuhause“ aussieht – was fehlt deiner Erfahrung nach oft für ein echtes Wohlgefühl?
In erster Linie geht es meist nicht nur um das aussehen, sondern auch darum wie die Möbel im Raum angeordnet sind. Allein das hat einen großen Effekt, ob man sich Zuhause fühlt oder rastlos. Meist fehlt ein klares Konzept für den Raum. Dann schreien alle Einzelteile nach Aufmerksamkeit aber es fehlt das verbindende Element, was alle zusammenhält.
Ein Zuhause darf aussehen, als wenn dort auch Leben passiert.
Wenn man heutzutage alles nur clean, nach Trends, beige und Instagramable hält, dann geht genau dieser eigene persönliche Charakter verloren. Aus meinen Beratungen kann ich sagen, dass viele heute zu stark nach links und rechts schauen oder lassen sich reinreden. Dabei ist es so wichtig dem Raum zu geben, was uns selbst glücklich macht. Es darf nicht aussehen wie im Katalog. Gerade ein Zuhause mit Dingen vom Flohmarkt oder einem knarrenden, unperfekten Holzboden gibt den persönlichen Charme.
Selbstständig und gleichzeitig Mama sein und eigene Interessen verfolgen: Wir wissen, dass das alles andere als leicht ist. Kannst du uns einen kleinen Einblick geben, wie du dich im Alltag organisierst?
Das war tatsächlich in den letzten zwei Jahren meine größte Herausforderung. Ich bin oft an meine Grenzen gekommen und hab mir manchmal gewünscht, nur Mama zu sein… ohne die to dos fürs Business noch im Hinterkopf zu haben. Bei einer Selbstständigkeit kann man schlecht länger auf die Pausetaste drücken.
Mein Partner und ich haben das Glück, beide recht flexibel arbeiten zu können, was aber auch dazu geführt hat, dass wir uns immer nur den Staffelstab in die Hand gegeben haben: Der eine passt aufs Kind auf, der andere arbeitet oder der eine macht was am Haus. Denn wir waren so verrückt und haben 2023 nicht nur ein Kind bekommen, sondern parallel noch ein Haus kernsaniert. Einen Monat vor der Geburt haben wir den Schlüssel für das Haus bekommen. Das Kind war geplant aber der Hauskauf viel uns zu der Zeit vor die Füße und wir wussten so eine Chance kommt nicht so schnell wieder, schon gar nicht in Leipzig.
Rückblickend sind wir total stolz, dass wir das alles so geschafft haben, aber ehrlich gesagt sind wir auch ganz schön erschöpft.
Bevor ich Mama wurde, hatte ich ein Büro in einer Bürogemeinschaft und habe es geliebt, mich mit anderen KollegInnen auszutauschen. Heute arbeite ich lieber von zu Hause aus, da ich mir so Zeit spare und auch hier und da abends oder am Wochenende mal kurz was machen kann. Wir leben außerdem als 5 köpfige Patchworkfamilie im Wechselmodell. Hier ist also immer viel los.
Wenn ich in den letzten 2 Jahren Zeit für mich hatte, habe ich Yoga gemacht oder geschlafen. Der Fokus stand eher auf Regeneration statt auf Konzerte und Museen, aber das kommt nun so langsam wieder zurück. Ich bin was das betrifft auch eher introvertiert und mag meinen Alltag eher simpel und unaufgeregt.
Was war die größte Herausforderung für dich beim Aufbau deines Business – und was hast du daraus gelernt?
Die Eine große gab es nicht. Dafür gibt es beständig immer wieder neue Herausforderungen und das ist am Ende vielleicht die Größte. Gerade bei mir können sich Projekte durch äußere Umstände auch mal deutlich länger ziehen als gedacht oder müssen ganz schnell umgesetzt werden. Es ist wichtig einen Plan zu haben und dabei immer flexibel zu bleiben.
Oft habe ich mir gewünscht, nicht alles allein tragen zu müssen, sondern jemanden zu haben, mit dem ich mich austauschen kann. Ein Business Buddy.
Ich liebe es eigentlich im Team zu arbeiten und das ist ein Punkt, den ich etwas vermisse. Über die Jahre habe ich mir aber ein Umfeld aus anderen Selbstständigen geschaffen und bin Teil eines deutschlandweiten Netzwerk für Innenarchitekten. Der Austausch mit anderen tut mir sehr gut.
Wie denkst du über Vorsorge, Altersplanung und finanzielle Sicherheit in der Selbstständigkeit?
Ich finde, das ist ein super wichtiges Thema. Richtung Altersplanung habe ich schon erste Vorsicherungen getroffen, aber weiß auch, dass das nicht reichen wird. Dranbleiben ist der Plan.
Was inspiriert dich gerade am meisten – privat wie beruflich?
Spannende Frage. Denn früher hätte ich geantwortet im Reisen. Aber aktuell finde ich die meiste Inspiration nicht im Außen, sondern in der Stille. Im Pause machen und beobachten.
Wohin möchtest du dein Business in den nächsten Jahren entwickeln und was ist dein größter Wunsch für dich und deine Community?
Ich möchte mehr Menschen dazu ermutigen, sich ihr Zuhause ohne Kompromisse schön zu machen. Viel zu oft nehmen wir unfertige Ecken hin und denken, dass mache ich irgendwann mal oder ach so lange wohne ich hier nicht.
Schluss mit den halbfertigen Übergangslösungen, wir leben jetzt und man sollte es sich jetzt auch so schön wie möglich machen. Dabei braucht es nicht immer ein großes Budget.
Viele meinen, die scheinbar perfekten Räume auf Instagram und Pinterest zu sehen und dann eifrig versuchen etwas nachzuahmen. Das bringt aber nur für kurze Zeit was. Wenn der nächste Trend das ist, muss man sich wieder anpassen. Bei mir geht es vielmehr darum, herauszufinden, was deine tiefen Wünsche an einen Raum sind. Ich zeige dann Mittel und Wege wie das umgesetzt wird. Räume können einen großen Einfluss darauf haben, wie wir uns im Alltag fühlen. In den eigenen Räumen ist man oft Betriebsblind, dann komme ich ins Spiel. Einen ersten Schritt habe ich dabei mit meinem Online Kurs Holistic Home gemacht. Hier begleite ich als Mentorin kleine Gruppen dabei Stück für Stück herauszufinden, was sie sich von ihrem Zuhause wünschen und wie sie dies in die Tat umsetzen. In 5 Monaten lernen sie alles, was wichtig für eine gute und ganzheitliche Raumgestaltung ist. Es macht mir Spaß das Wissen zu vermitteln und zu sehen, wie kleine Veränderungen einen großen Effekt auf das Gefühl in den eigene Räumen haben.
LAYERS QUICKIES:
Ordnung oder kreatives Chaos?
Intuition oder Konzept?
Zeitlos oder trendbewusst?
Früh starten oder spät arbeiten?
Ich gehöre definitiv zu den Eulen. Früher habe ich regelmäßig Spätschichten eingeschoben, weil ich mich abends super konzentrieren kann, aber seitdem ich Mama bin, bin ich abends einfach nur müde. 🙂
Stille oder Musik beim Arbeiten?
Musik. Aber die muss elektronisch sein wie die “Beats to Think to” Playlist.
Arbeiten mit Kind im Raum: machbar oder No-Go?
Ne das klappt noch nicht. Mit 2 ½ Jahren komme ich dann in den paar Minuten, in denen er beschäftigt ist, auch nicht weit. Dann lieber volle Aufmerksamkeit beim Kind und wenn er schläft arbeiten.
To-Do-Listen: digital oder handgeschrieben?
Handgeschrieben. Zu 1000%. Ich schreibe mir jeden morgen eine todo Liste und liebe es die Haken per Hand zu setzen.
Deadline-Druck: pusht oder blockiert?
Pusht. Ich glaube darauf wurden wir im Studium schon trainiert.
Honorar verhandeln: Routine oder Überwindung?
Podcast oder Buch?
Worauf bist du gerade stolz?
Dass wir die Erkältungszeit im letzten Winter irgendwie überstanden haben und ich trotz der ganzen Ausfälle auf eigenen Beinen stehe und mich sowas nicht aus der Bahn wirft. Umso mehr ich darüber nachdenke, um so verrückter ist es, Krankheiten oder Kita-Notbetreuung ohne doppelten Boden abzufangen.
Lieblingsmoment nur für dich?
Im Alltag: Der erste Kaffee, den trinke ich mit Blick in den Garten, wenn alle aus dem Haus sind. Kurz durchatmen und dann geht’s die Treppe hoch in mein Büro.
Was hast du zuletzt losgelassen?
Mit allem hinterher zu kommen. Mit einem Kleinkind stehen andere Dinge im Leben still und das ist ok. Meine Freunde wissen, wenn ich mich mal länger nicht zurückmelde, dann liegt es nicht an ihnen, sondern weil mir grad die Zeit fehlt, in Ruhe zu antworten.
Vielen Dank für die Antworten, Frances!
Auf Frances‘ Website erfährst du mehr über sie und ihre Leistungen. Folge Frances für mehr Interior Inspiration und wertvolle Tipps aus der Praxis auch gern auf Instagram.







