Karrierekrise mit 40?

Warum Millennials ihr Leben jetzt in Frage stellen

„Midlife-Career-Crisis“ – Zum ersten Mal höre ich den Begriff im Podcast Baby Got Business von Ann-Katrin Schmitz. Dass sich diese Beschreibung für ein Gefühl, was ich sehr gut kenne, schon lange in der Gesellschaft etabliert hat, war mir so gar nicht klar.

Das sagt die Karrierebibel: Die „Midlife-Career-Crisis“ (berufliche Krise in der Lebensmitte, oft zwischen 30 und 55) ist eine Sinnkrise, bei der Erreichtes bilanziert und die Sinnhaftigkeit des Jobs hinterfragt wird. Sie ist keine Krankheit, sondern ein natürlicher Wendepunkt, der mit Strategien wie Selbstreflexion und Neuorientierung als Chance genutzt wird.

Aktuell betroffen: Die Millennials. Also alle, die zwischen 1980 – 1996 geboren sind. Eine besondere Generation, die zwischen „du kannst alles werden“ und „lern bloß was Vernünftiges“ groß geworden ist.

Die große weite Welt lag uns zu Füßen, aber wir sollten sie uns gefälligst hart erarbeiten und immer gut versichert sein.

Wir waren die berühmte Generation Praktikum. Noch lange bevor es Sabbaticals und Work Life Balance gab, hieß es nämlich: „Sei froh, wenn du arbeiten DARFST. Bezahlung kannst du dafür nicht verlangen.“ Das hat sich falsch angefühlt, aber wir haben durchgezogen. Harte Arbeit wurde uns als Tugend eingetrichtert, egal unter welchen Bedingungen. Und wisst ihr was? Ich finde das rückblickend nicht mal so falsch.

Vor den Trümmern eines großen Versprechens

Nichtsdestotrotz stehen viele von uns aktuell in ihrer „Midlife-Career-Crisis“ nun vor den Trümmern des Versprechens, dass wir auf jeden Fall eine große Karriere vor uns haben, wenn wir nur hart genug „ranklotzen“. Das trifft die Frauen merklich härter als die Männer. Denn wir sitzen gerade mit kleinen Kindern zuhause und versuchen zurück in unser altes Leben zu finden (was es nicht mehr gibt) und dabei immer schön das Näschen zu putzen. Schließlich können wir angeblich „alles schaffen“. Also auch Karriere und Kinder. Oder etwa doch nicht?

Viele merken bei ihrer Rückkehr, dass das alte Leben und der alte Job eine Sackgasse sind. Dass sie vermutlich nie ganz oben auf der Karriereleiter ankommen und vielleicht da gar nicht mehr hinwollen, weil der Preis zu hoch ist?

Obendrauf kommt noch der große KI-Clash. Für viele Arbeitnehmer sind Chatti, Claude und Co. keine Hilfen, sondern nur Typen, die ihnen einige Sprossen aus der Karriereleiter entfernen und sie manchmal sogar komplett unter den Füßen wegziehen.

Und dann sitzen sie da: überstudiert, überarbeitet und unterbezahlt.

Ich dachte einmal, ich hätte den passenden Ausweg gefunden. In dem ich mich sehr früh selbstständig gemacht habe, weil mir der Weg nach oben in einem Unternehmen viel zu weit war. Ich hielt mich für einen Revoluzzer. I do it my way – dachte ich.

Spoiler: „My way“ war auch eine Sackgasse. Denn ratet mal, was Auftraggeber sagen, wenn man sie vertröstet mit: „In dieser Woche ist mein Kind leider krank.“ Als Autorin und Werbestrategin blieb ich, wie viele andere Frauen im Marketing, nicht mehr als eine bessere Sekretärin in den Augen der Entscheider. Und während ich so zu Hause saß, beobachtete ich, wie Gen Z im Internet mit 18 Jahren Schminkvideos postete und mit gefühlt sehr viel weniger Arbeit als ich zu sehr viel mehr Geld kam. In mir keimte wieder dieses Gefühl, das wahrscheinlich jeder kennt: Ich könnte das ja auch, aber …

War ich nicht clever genug? Nicht mutig?

Das Gefühl, dass es noch ganz viele Chance gibt und dass man das ja alles noch machen kann. Dieses „wenn ich erst …, dann werde ich auch…“. Nur mit dem Unterschied, dass man in der Midlife Career Crisis plötzlich fühlt, dass der Zug irgendwann abgefahren sein könnte. Dass man zu alt sein könnte, um neu zu starten. Wir verurteilen Menschen die auf einem vermeintlichen leichteren Weg, mehr erreicht haben. Aber wenn wir aufrichtig sind, dann steht hinter diesem Urteil auch Neid.

An diesem Punkt in meinem Leben, habe ich Etwas gemacht, was mir vielleicht ein bisschen leichter fiel als anderen, da es nicht das erste Mal war. Ich habe alles hingeschmissen und neu angefangen.

Ein Fernstudium, ein komplett neues Thema und das Internet. Was hatte ich schon zu verlieren? Ich habe alles auf eine Karte gesetzt. Schlimmstenfalls wäre ich um eine Erfahrung reicher gewesen. Nun bin ich eine dieser Personen, über die andere denken – naja, ich könnte das ja auch. Oder auch gern genommen: „Sie hatte Glück. Jetzt ist es zu spät“ und „wir könne ja nicht alle Influencer werden“. Das war übrigens kein Glück und keine Lotterie. Ich bin so überarbeitet wie nie, aber auch so glücklich wie nie. Keinen einzigen despektierlichen Kommentar nehme ich jemandem übel, denn – ja, da komme ich auch her.

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Fünf sinnbildliche Taschentücher, für alle in der Krise:

Und jetzt kommt keine Anleitung zu „how to become an influencer“, sondern ein paar Wahrheiten, für alle Frauen, die in der Midlife Career Crisis stecken.

  1. Die meisten Karrieren lassen sich nicht gut mit Kindern vereinbaren. Du bist deshalb nicht weniger wert. Ich habe 4 Jahre lang nur Näschen geputzt und mein Mann hat das Geld verdient. Gewertschätzt hat er mich, nicht die Gesellschaft. Das lässt sich nicht ändern. Hör auf das zu bedauern.
  2. Du hast nicht versagt, wenn du einen 30h Job hast, weil du noch Zeit für deine Familie brauchst. Dein Chef wird es nicht beweinen, wenn du nicht da bist, deine Kinder schon.
  3. Überraschung: Die Midlife Career Crisis betrifft auch die Menschen, die beruflich alles erreicht haben. Ein hohes Jahresgehalt schützt nicht vor Zweifeln. Es ist eine Sinnkrise – mach was damit.
  4. Wenn du schon oft über eine Tätigkeit gedacht hast „ich könnte das, aber habe halt etwas Anderes gelernt.“, dann fang bitte heute damit an. Mach es. Es ist egal wie alt du bist. Verschieb es nicht mehr. Die Uhr steht auf 5 vor 12, jeden Tag.
  5. Wir sind die erste Generation, die verstanden hat, dass man nicht sein ganzes Leben lang nur einen Job machen muss. Nutze das. Es ist extrem unwahrscheinlich, dass der Job, den du mit 18 gewählt hast, heute noch zu dir passt.

Die Midlife Career Crises schlägt so hart zu, weil sie in der Lebensmitte passiert. Es ist der Moment, in dem wir spüren: Halbzeit! Wir hinterfragen nicht nur den Job, sondern auch das ganze Leben.

Viele lassen sich jetzt scheiden, brechen den Kontakt zur Familie ab, wandern aus oder (Gott bewahre) stellen plötzlich Filme von sich ins Internet. 😉 Es ist ein wichtiger Punkt im Leben – dieses wertvolle Leben, dass wir nur nicht vergeuden wollen. Ein ganz gesunder Gedanke. Eine Zäsur.

Bleibt nur die eine Frage: Was machst du damit?

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Wenn Michelle gerade nicht für uns schreibt, verhilft sie ihren Kunden zu kluger und kreativer Kommunikation. Als Kreative in der Werbung konzipiert sie Kampagnen, schreibt Werbespots und findet die richtigen Worte für einfach alles. Klappt sie den Computer zu, findet ihr Michelle im Garten. Nebenberuflich studiert sie Phytotherapie und gibt schon bald Heilkräuter-Workshops auf einem Bauernhof in der Nähe von Leipzig.

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