Zwischen Handwerk und Algorithmus: Wie viel KI verträgt ein Unternehmen mit Haltung?

Handwerkskunst lebt von Wissen, von Erfahrung und von Fingerspitzengefühl. Sie lebt von einem tiefen Verständnis für Material, Form und Detail. Und vor allem lebt sie von Menschen – von Fähigkeiten, die über viele Jahre erlernt, verfeinert und weitergegeben werden. Und von Leidenschaft und Liebe für das eigene Tun.

Keine Maschine kann Erfahrung ersetzen. Keine Automatisierung das Gespür für ein Material oder für den Duft von Leder. Kein schneller Prozess die Hingabe, die es braucht, um etwas wirklich Außergewöhnliches zu schaffen.

Ich gebe es zu: Ich bin neugierig auf KI. Mich fasziniert KI und ich lese zurzeit mehrere Bücher über sie, um zu verstehen, wie sie arbeitet, was Google Gemini, ChatGPT, Claude und Perplexity „mögen“ und warum bestimmte Suchen in diesen Systemen mein Unternehmen zeigen und welche aus einem bestimmten Grund (noch) nicht. Und es ist wichtig zu verstehen, WAS sie zeigt und ob das mit meinem Werteverständnis vereinbar und gut ist.

Meine Leidenschaft gilt den rundum guten Produkten. Denn nur wer die reinsten und langlebigsten Zutaten wählt, wer eine Anfertigung mit Herz und Seele garantiert und nur wer seine komplette Lieferkette kennt, kann ehrlich von guten, nachhaltigen Produkten sprechen. Und das tue ich.

Als Gründerin von ALEXANDRA SVENDSEN beschäftige ich mich natürlich mit allem, was uns dabei helfen kann, besser, effizienter und zeitgemäßer zu arbeiten. Ein ganz großes Thema, schon vor KI, war und ist die Sichtbarkeit meines Unternehmens, meiner Produkte und meiner Philosophie. 

KI schreibt Texte in Sekunden, entwickelt Ideen, analysiert Daten, optimiert Websites und plant Inhalte. Manchmal wirkt es fast so, als gäbe es kaum etwas, was sie nicht kann. Aber genau da beginnt für mich die eigentliche Frage: 

Was sollte sie können dürfen – und was möchte ich ihr überlassen?

Denn mein Unternehmen ist aus einer ganz bestimmten Haltung heraus entstanden. Bei ALEXANDRA SVENDSEN geht es um Natürlichkeit, um Werthaltigkeit in Einklang mit Mensch und Natur, um Materialien mit Charakter und um echter Hände Arbeit – vom ersten Design auf Papier, bis zur letzten Naht. Um Produkte, die nicht einfach auf Knopfdruck oder vom Fließband entstehen. Und es geht um das Bewusstsein dafür, dass Qualität einen bestimmten Wert hat und dass sie Zeit braucht.

Kann KI also zu einem Unternehmen passen, das genau diese Werte lebt?

Meine Antwort ist: Ja. Aber nur, wenn wir sie bewusst und kontrolliert einsetzen.

KI kann uns Zeit schenken

Ich sehe in KI vor allem eines: eine Unterstützung. Ein Werkzeug.

In meinem Arbeitsalltag gibt es unzählige Aufgaben, die viel Zeit kosten und die meisten von Ihnen bewältige ich allein. Social-Media-Beiträge müssen geplant und formuliert werden. Ideen für Themen und Inhalte wollen entwickelt werden. Texte für Newsletter oder Kundenanschreiben entstehen nicht von allein. Auch unsere Website muss gepflegt werden – und zwar so, dass sie nicht nur schön und verständlich ist, sondern auch von Suchmaschinen und zunehmend von KI-basierten Suchsystemen gefunden und richtig verstanden werden kann. Und natürlich kommen Marketing, Vertrieb, Lager, Distribution, Design und viele andere Tätigkeiten ohnehin noch parallel dazu.

SEO und GEO – also die Optimierung von Inhalten für klassische Suchmaschinen und generative KI-Systeme – sind Themen, an denen heute kaum ein Unternehmen vorbeikommt. KI kann dabei helfen, Inhalte zu strukturieren, relevante Fragen von Kundinnen und Kunden zu erkennen oder bestehende Texte auf Verständlichkeit zu prüfen. KI kann Routineaufgaben beschleunigen. Und ehrlich gesagt: Das ist eine große Chance. Denn jede Stunde, die ich nicht damit verbringe, eine technische Meta-Beschreibung zum fünften Mal umzuformulieren, kann ich anders nutzen. Für Gespräche, für Ideen und Designs, für unsere Produkte und besonders für die Menschen, mit denen wir arbeiten.

Aber Effizienz ist nicht alles

Gleichzeitig merke ich immer wieder: KI kann sehr überzeugend sein, ohne wirklich etwas zu wissen. Sie kann einen wunderschönen Text über Handarbeit schreiben, ohne jemals eine Hand gesehen zu haben, die ein Material bearbeitet. Sie kann über Nachhaltigkeit sprechen, ohne Verantwortung zu tragen. Sie kann Emotionen formulieren, ohne etwas zu fühlen. Und genau darin liegt für mich eines der größten Risiken.

Wenn wir nicht aufpassen, produzieren wir plötzlich Inhalte, die perfekt klingen und aussehen, aber nichts mehr mit uns zu tun haben. 

Zu einem Unternehmen in der Luxusbranche gehören hervorragende Hochglanz-Bilder und Moods einfach dazu. Fotos, die die Unternehmenswerte und Produkt-Landschaften elegant transportieren und die zum Träumen einladen. Als Inhaberin eines transparent agierenden Unternehmens, das nicht zu den Global-Playern gehört, finde ich mich zwischen dem Druck, Hochglanz-Bilder für neuen Content auf Social Media zu produzieren, horrenden Kosten dafür und den eventuellen Zweifeln unserer Kunden wieder, die sich fragen, ob das abgebildete Produkt überhaupt existiert.

Für mein Unternehmen habe ich zunächst die Entscheidung getroffen, einen Mix anzubieten aus hochauflösenden Profi-Fotos und freigestellten Produkten. Diese Produkte existieren wirklich, sie werden ab und zu nur in eine andere Umgebung platziert. Ich gebe ehrlich zu, ich habe das noch nicht final entschieden. Denn: der Algorithmus hat leider gute Argumente – 3 erschwingliche, hochkarätige Profi-Fotos pro Monat auf Instagram geben keinen ausreichenden Einblick in die Welt eines Luxusunternehmens und bringen wahrscheinlich kaum Sichtbarkeit. Ein Dilemma. Noch.

Das Echte bleibt unsere Verantwortung

Für mich ist genau das der ethische Spagat: KI kann uns Arbeit abnehmen. Aber sie darf uns nicht unsere Haltung abnehmen. Mich regt sie immer wieder an, mich genau zu hinterfragen. Sie dient dazu, das, was ich tue und schreibe zu überprüfen – bin ich weiterhin auf dem richtigen Kurs, dem einen, den ich ganz persönlich für stimmig erachte!?

Gerade in einer Zeit, in der immer mehr Inhalte künstlich entstehen, wird das Echte vielleicht sogar noch wertvoller. Eine kleine Unperfektheit, ein persönlicher Gedanke, ein Text mit einer Formulierung, die vielleicht nicht „algorithmisch perfekt“ ist, dafür aber nach einem Menschen klingt. Und vor allem: echte Begegnungen mit Menschen, mit unseren Partnern, mit unseren Kundinnen und Kunden, mit unserer Presseagentur, mit unserer Webdesignerin, unserem Grafiker etc. Aus diesen Gesprächen und Begegnungen erwachsen ECHTE Erfahrungen und Erlebnisse – und die machen uns aus, prägen uns und unser Tun. 

KI als Werkzeug, nicht als Ersatz

Ich wünsche mir deshalb einen pragmatischen Umgang mit künstlicher Intelligenz. Ich möchte sie nutzen, um vor allem effektiver zu arbeiten – nicht, um weniger Alexandra zu werden. Sie darf mir helfen, Informationen zu strukturieren, Ideen anzustoßen und wiederkehrende Aufgaben schneller zu erledigen. Aber die letzte Entscheidung bleibt immer bei mir. Der Ton unserer Marke bleibt menschlich. Unsere Geschichten sind wahr und erlebt. Und unsere Produkte entstehen weiterhin nicht durch einen Prompt, sondern durch Erfahrung, Materialverständnis, Entscheidungen und echter Hände Arbeit.

KI wird bleiben. Sie wird unseren Arbeitsalltag weiter verändern, wahrscheinlich noch schneller, als wir heute ahnen.

Das macht mir keine Angst. Aber es macht mich aufmerksam. Denn je leistungsfähiger die Technologie wird, desto wichtiger wird die Frage, wer sie nutzt und mit welcher Haltung. Und in meinen Augen ist genau das unsere Aufgabe als Unternehmerinnen und Unternehmer: Nicht alles zu tun, was technisch möglich ist. Sondern bewusst zu entscheiden, was verantwortungsvoll und für das eigene Unternehmen richtig ist.

Für ALEXANDRA SVENDSEN wünsche ich mir genau diesen Weg: neugierig bleiben und gleichzeitig fest verbunden mit dem, was uns ausmacht., woran wir glauben und wofür wir stehen. Wir setzen auf echte Hände, echte Materialien. Und echte Erfahrungen, die uns jeden Tag reicher machen und manchmal auch ein paar Stunden verzweifeln lassen – und dann geht es mit Power und Freude weiter. Am Ende steht bei uns immer ein Mensch, der abwägt, entscheidet und fühlt.

Und by the way, auf meine Frage: „Wie kannst Du mir menschliche Tipps geben, wenn Dir die fünf Sinne des Menschen fehlen?“ hat KI im übrigen folgendes geantwortet:

Ich kann über menschliche Wahrnehmung sehr viel wissen, ohne selbst wahrzunehmen.

Das ist ein bisschen so, als könnte jemand eine unglaublich detaillierte Landkarte besitzen, ohne jemals selbst durch die Landschaft gelaufen zu sein. Die Karte kann hervorragend sein — aber sie ersetzt nicht den Spaziergang.

Und deshalb ist ein guter Tipp von mir idealerweise kein „Vertrau mir, ich habe das selbst erlebt“, sondern eher:

„Auf Basis dessen, was bekannt ist und was du mir beschreibst, halte ich X für die wahrscheinlich beste Option — und hier ist warum.“

Alexandra Svendsen wurde in Hamburg geboren und ist in Mailand aufgewachsen. Sie ist Gründerin eines Unternehmens für exklusive, nachhaltige Lederwaren und innerhalb dessen auch als Designerin tätig. 2022 wurde ihr Unternehmen ALEXANDRA SVENDSEN in das hochkarätige Verzeichnis der ›Deutschen Manufakturenstraße‹ aufgenommen, welches die besten Manufakturen Deutschlands zusammenfasst. Alexandra engagiert sich im Rahmen ihrer Unternehmertätigkeit für Nachhaltigkeit und Umweltschutz.

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